Zur Weihnachtszeit nach Wien

star

Hauptbahnhof Wien

hfbj

Christkindlmärkte

fjwenb

Highlights

Gibt es eine bessere Zeit, als im Advent nach Wien zu reisen? Absolut nicht. Die Stadt fährt zur Weihnachtszeit richtig auf; ein Christkindlmarkt reiht sich an den nächsten und jede Fensterfront, jede Hausfassade, jede Straßenlaterne und alle Wiener Kaffeehäuser sind festlich geschmückt und sorgen für ein zauberhaftes Ambiente, in dem jede:r Weihnachtsmuffel:in schwach wird. Der ideale Kurztrip also für mich und meine beste Freundin Laura. Die Flüge kosteten uns hin und zurück gerade mal 100 Euro und wir teilten uns für die 4 Tage ein Gepäckstück (auch wenn es etwas eng wurde).

So, pack ma’s – auf nach Wien!

Es war viertel vor 6, als mir meine Freundin Laura mit müdem Gesicht ihre Haustür öffnete und mir den großen rosa Koffer über die Türschwelle entgegen schob. Ächzend bugsierte ich ihn die Treppen hinab und wir verstauten ihn im Auto. Ein Freund fuhr uns zum Düsseldorfer Flughafen, welcher uns mit weihnachtlich geschmückten Hallen und festlicher Musik empfing. Als wir unseren Koffer aufgaben, wurde mir zunehmend mulmig zumute. Der Flug mit Eurowings dauerte etwa eineinhalb Stunden, während der ich trotz Lauras tröstender Hand in meiner Rotz und Wassere heulte. Ich kann euch sagen, mit dem Fliegen werde ich mich wohl nie anfreunden! Der Himmel über Wien war hell und klar, die Luft blies uns frostig entgegen, als wir das Flugzeug (Laura bibbernd und ich erleichtert aufschluchzend, weil wir noch am Leben waren) verließen. Noch am Wiener Flughafen kauften wir uns das überraschend günstige 7-Tage-Wien Ticket für 17,10 €, woraufhin wir auch schon den nächsten Zug bestiegen. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung und einem „Na, mit dem Zug kummts ned zum Hauptbahnhof", sprangen wir mit unserem schweren Koffer im Schlepptau wieder heraus und schafften es dann doch in den richtigen Zug. Den Wiener Hauptbahnhof erreichten wir schließlich erfolgreich in nur 20 Minuten, wo wir anschließend nach langem Herumirren und vielen Treppen ein Schließfach fanden, in das wir unser Gepäck verstauen konnten, da wir erst gegen Nachmittag in unser Airbnb einchecken konnten.

Im Katzencafé schlemmen

Die Straßenbahn und ein kurzer Fußweg durch die Kälte brachte uns anschließend zum "Barista Cats", wo uns sofort wieder warm ums Herz wurde. Eine einladende Theke präsentierte uns eine beeindruckende Auswahl an Keksen in Katzenformen jeglicher Art; von kleinen Pfötchen bis hin zu detailreichen Katzengesichtern. Eine freundliche Barista begrüßte uns und schickte uns durch eine gläserne Tür in einen weiteren, abgetrennten Bereich des Katzencafés. Dort warteten gemütliche Sitzgelegenheiten, zahlreiche Kratzbäume und kuschelige Schlafplätzchen für die Samtpfoten. Wir suchten uns einen freien Tisch, bestellten eine heiße Suppe mit Nudeln in Katzenform und ließen den Blick zu den sechs süßen Katzen schweifen, die entspannt herumstreiften, spielten oder sich auf der Fensterbank sonnten. Das Café verfolgt das Ziel, Katzen aus dem Tierschutz Austria aufzunehmen, sie zu pflegen und in liebevolle Zuhause zu vermitteln, deshalb lief an einer Wand eine Diashow auf dem Fernseher, die die sechs Katzen mit ihren Namen und Informationen zu ihren besonderen Eigenschaften vorstellte. Kater Hansi beispielsweise liebte es zu schmusen, allerdings nur mit ausgewachsenen Dosenöffner:innen. Kinder waren ihm suspekt. Ein Schild neben dem Fernseher wies darauf hin, dass mit jeder Bestellung eine Tierschutzorganisation unterstützt wird. Derzeit ist das „Barista Cats“ auf der Suche nach einem eigenen Standort, da sie im aktuellen Café nur Untermieter sind und statt einer Miete von 3.500 Euro eine monatliche Pacht von 7.200 Euro zahlen müssen. Um finanziell unabhängig zu werden und weiterhin Katzen in neue Zuhause zu vermitteln, haben sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Schon mit 1 Euro könnt ihr einen Beitrag leisten – schaut doch mal unter diesem Link vorbei oder spendet direkt via https://www.paypal.com/donate/?hosted_button_id=3UJZT93NCY6DQ.

IMG_7804
1e02395e-66d6-46ee-be4c-518fedaf3ac9

A bissl bummeln und staunen

Nachdem wir das Katzencafé (leider ohne Katze/Kater) verlassen hatten, schlenderten wir durch die festlich geschmückten Straßen Wiens. Die Weihnachtsbeleuchtung tauchte alles in ein warmes, glitzerndes Licht und wir bestaunten die prächtigen Schaufenster. Die Architektur der Stadt versetzte uns in eine Märchenwelt. Wir folgten der Ringstraße und kamen zunächst am Österreichischen Parlamentsgebäude vorbei, dessen imposante Fassade im klassischen griechischen Stil gehalten war. Über dem Brunnen davor stand eine Statue der griechischen Göttin Pallas Athene, die wie eine Art Wächterin des Parlaments auf einer hohen Säule thronte (die hat übrigens einen der ungewöhnlichsten Auftritte in der Götterwelt. Sie kommt nicht wie andere Götter zur Welt, sondern entspringt direkt dem Kopf ihres Vaters Zeus, nachdem dieser über Kopfschmerzen klagt. Ein beherzter Axtschlag von Hephaistos und zack, Athene springt als Erwachsene und fertig bewaffnet aus seinem Kopf). Wir schlenderten weiter zum Wiener Christkindlmarkt vor dem Rathaus und ich versuchte, Laura zum Eislaufen auf der 3.000 Quadratmeter großen Eislaufstrecke zu überreden. Doch leider ließ sie sich von mir nicht auf das Eis locken, daher ging es weiter auf den nächsten Weihnachtsmarkt; den Altwiener Christkindlmarkt. Hier stöberten wir an den Ständen, die allerlei festliche Köstlichkeiten und Handwerkskunst boten. Besonders gefielen uns die Postkarten mit Sisi (ihr Kleid glitzerte darauf!), die wir uns natürlich für uns selbst als Erinnerung kauften. An einem Stand, der sich für Kinder mit ALS engagierte, gönnten wir uns eine köstliche heiße Schokolade, dessen Erlös wohltätigen Zwecken zu Gute kam.

IMG_7901
IMG_7903

Weiter ging es durch die Ferstel Passage, deren Glasdach in den winterlichen Sonnenstrahlen funkelte. Vorbei an der Hofburg, wo wir den Pferdekutschen Platz machen mussten, und anschließend in die Nationalbibliothek am Josefsplatz. Der Eintritt von 10 Euro war ein kein echtes Schnäppchen (Papa würde mich rügen!), aber wir wollten unbedingt den berühmten Prunksaal sehen, der mit seiner Barockarchitektur aus dem 18. Jahrhundert und den über 200.000 Büchern aus der Zeit von etwa 1501 bis 1850 lockte. Der Raum war etwa so lang wie sieben bis acht Linienbusse hintereinander, so breit wie eine zweispurige Straße und fast so hoch wie ein sechsstöckiges Wohnhaus. Außerdem hatte er eine offene Kuppel, die das Licht auf das Selbstinszenierungsprojekt von Kaiser Karl VI warf. Die Decke war mit meisterhaften Fresken verziert, die u. a. Weisheit, Ruhm oder Tapferkeit allegorisch darstellten (also keine realen Gelehrten. Hier haben nur Herrscher und Adelige aus der österreichisch-spanischen Habsburgerfamilie Platz, mit dem eitlen Karl im Mittelpunkt dieser mächtigen Familie).

3598133e-ec33-44fd-92a6-63422556ed0e
IMG_8068

Unsere nächste Station war das historische Schmetterlingshaus, ein wunderschönes Jugendstil-Gewächshaus direkt hinter der Wiener Hofburg, das ursprünglich 1880 erbaut wurde. Hier herrschten 25 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 60-80%, in der sich die riesigen Morphofalter, die über unsere Köpfe hinweg flogen, sichtlich wohl fühlten. Sie waren bekannt für ihre beeindruckenden blauen Flügel, deren Spannweite bis zu 12 cm betragen konnte, was sie zu den größten Schmetterlingen der Welt machten. Wir bestaunten Flora und Fauna, bis uns in unseren Winterjacken der Schweiß von der Stirn lief. Zurück in der Kälte liefen wir an der Mozart-Statue vorbei und besuchten den Weihnachtsmarkt vor der Nationalbibliothek und den Christkindlmarkt am Kunsthistorischen Museum. Dort teilten wir uns ein Trdelnik, ein gedrehter Hefeteig, der süß und buttrig schmeckte, und ließen uns von der festlichen Stimmung mitreißen. Abends holten wir unser Gepäck vom Bahnhof ab und machten uns auf den Weg zu unserem Airbnb, was sich direkt am Bahnhof in einem Hochhaus-ähnlichen Gebäude befand. Bei einer Tiefkühlpizza im Bett schauten wir uns den alten Film "Sissi – die junge Kaiserin" auf Lauras Handy an, bis wir langsam weg dämmerten und von der Wiener Hofburg träumten.

IMG_8085
IMG_7855

Da zwoite Tag in da schenscht Stadt!

Am nächsten Morgen huschte ich um 7 Uhr als Erste ins Badezimmer, um mir ein Gesicht zu malen und meine Haare via Glätteisen zu bändigen, was mir nach einer Dreiviertelstunde halbwegs geglückt war. "Ich dachte schon, du kommst da nie raus!" schnaubte Laura, als ich das Badezimmer endlich verließ. "Sorry." murmelte ich ein wenig beschämt. Unser Frühstück planten wir im Café Neko zu ergattern, einem weiteren Katzencafé in der Blumenstockgasse 5. Doch gab es dort nicht wirklich etwas Essbares. Einen Kaffee bekamen wir auch nur an einem Vollautomaten mit Münzeinwurf. Die Katzen waren super süß und verspielt, doch das Café Ambiente war ein bisschen auf der Strecke geblieben und so blieben wir nicht lange. Mit knurrendem Magen erkundeten wir das Franziskanerviertel und kamen am Mozarthaus sowie an der beeindruckenden Domkirche St. Stephan vorbei, wo der nächste Christkindelmarkt auf uns wartete. Mit einem Brötchen vom Bäcker bewaffnet, bewunderten wir die Anker-Uhr am Hohen Markt und machten uns gegen 15 Uhr auf ins Sisi-Museum in der Hofburg. Wir erstanden das beliebte Sisi-Ticket für 44 Euro, mit dem wir außerdem das Schloss Schönbrunn und das Möbelmuseum besuchen konnten. In der Hofburg bestaunten wir 300 Originalobjekte der Kaiserin Elisabeth von Österreich, darunter persönliche Gegenstände wie Fächer, Schirme, Handschuhe, Kleidungsstücke, Schönheitsrezepte und ihre Reiseutensilien. Wir bekamen tiefe Einblicke in ihre Persönlichkeit, ihre Sehnsucht nach Freiheit und die Realität ihres Lebens am Kaiserhof, aber über ihr übertriebenes Sportprogramm konnten Laura und ich nur die Köpfe schütteln. Da das Museum direkt mit den Kaiserappartements verbunden ist, konnten wir außerdem die Wohnräume von Sisi und Kaiser Franz Joseph sehen und bekamen ein ganz gutes Gefühl für das Leben im 19. Jahrhundert vermittelt. Sie schliefen in getrennten Räumen, was damals so Sitte war, und in Sisis Gemächern gab es außerdem verschiedene Übungsgeräte, etwa leichte Handgewichte, Stangen zum Dehnen, Schlingenseile oder Turnbarren, damit sie ihrem Sportprogramm nachgehen konnte. Daraufhin brauchten wir erstmal eine üppige Mahlzeit, die dann doch nicht ganz so üppig ausfiel. In der veganen Wurstbar „eh Wurst“ in Schottenfeld bestellten wir uns ein veganes Hotdog und einen veganen Leberkäse im Brötchen und machten uns anschließend auf den Weg zum Möbelmuseum. "Los, das schließt bald!", mahnte Laura mich zur Eile. Wir kamen zwar etwas außer Atem, aber noch rechtzeitig an und staunten dann über historische Möbelstücke, wie dem originalen Schreibtisch von Marie Antoinette, und über Duplikate aus der Hofburg sowie Requisiten aus den „Sissi“-Filmen mit Romy Schneider aus den 1950er‑Jahren. "Du kannst doch nicht von jedem Kronleuchter ein Foto machen!" meinte Laura. "Doch, kann ich." antwortete ich und knipste weiter. Danach fuhren wir zum Art Advents Weihnachtsmarkt am Karlsplatz vor der Karlskirche, einem der kreativsten und nachhaltigsten Märkten der Stadt. Alle Aussteller:innen müssen ihre Produkte selbst herstellen, es gibt also hauptsächlich handgemachte Werke wie Schmuck, Keramik, Textilien oder Holz‑ und Glasarbeiten (Fun Fact: ein Jury‑Verfahren entscheidet darüber, wer teilnehmen darf). Die Atmosphäre war wunderbar festlich, und wir genossen den Duft nach Beerenglühwein, Waffeln und Zimtmandeln, bevor wir uns auf den Weg zurück zu unserem Airbnb machten.

IMG_8192
075477c9-7398-41e6-9449-ae8e7846be4c

Da dritte Tag, süß g’nascht und durch Wien g’staunt

Am nächsten Morgen stand der Belvedere-Palast auf dem Programm. Bestehend aus zwei barocken Palästen aus dem 18. Jahrhundert, dem „Oberen Belvedere“ und dem „Unterem Belvedere“, ist es heute eines der bedeutendsten Kunst- und Kultur-Museen der Stadt (da wir aber heute schon einen anderen Museumsbesuch geplant hatten, sparten wir uns den berühmten Kuss von Gustav Klimt hier). Direkt vor dem Obere-Belvedere-Palast gab es ein kleines Weihnachtsdorf aus rund 40 Ständen, aber wir schlenderten lieber durch die weitläufigen französischen Gärten und bestaunten die vielen Wasserspiele und wunderschönen Statuen.

1802b93f-bad7-4ede-ac47-a3724b23a670
IMG_8496

Danach ging es für uns mit der Straßenbahn zum berühmten Naschmarkt, wo wir uns einen leckeren Kaiserschmarren teilten. Der Markt erstreckt sich über rund anderthalb Kilometer entlang der Wienzeile zwischen Karlsplatz und Kettenbrückengasse. Sein Ursprung geht auf einen Markt aus dem 16. Jahrhundert zurück. Heute hatten wir das Glück, dass ein Abschnitt zum Flohmarkt Kettenbrückengasse wurde (immer Samstags), und wir bestaunten Antiquitäten und Vintage-Stücke auf einem der größten und bekanntesten Flohmärkte Wiens. Der Nachmittag führte uns dann endlich ins Kunsthistorische Museum, wo wir satte 21 Euro Eintritt hinblättern mussten, aber dafür die großen Kunstsammlungen der Habsburger bewundern konnten. Unser Highlight war die Pause im Cupola Café, dem museumseigenen Café-Restaurant, das sich mitten in der eindrucksvollen Kuppelhalle befindet und mit Säulen, Stuck und Marmor aufwartet. Hier ergatterten wir nach langem Warten einen Platz mit Blick auf das gegenüberliegende Naturhistorische Museum. Wir bestellten uns köstlichem Kaffee wie ihn Maria Theresia und Mozart eins genossen hatten (mit einem kleinen Schuss Likör) und flankierten anschließend über den Weihnachtsmarkt auf dem Maria-Theresien-Platz, wo wir uns Kakao und Baumstriezel schmecken ließen. Am Abend hatten wir eigentlich in die Harry Potter Bar gehen wollen, doch hier bekam man keinen Tisch, wenn man nicht viele Wochen im Voraus reservierte, daher wurden wir brüsk abgewiesen und waren als echte Fangirls doch ziemlich hart getroffen. "Ich heul gleich!" meinte ich in der Hoffnung, den Kellner damit zu erweichen. Laura linste um die Ecke und erhaschte einen Blick auf die magisch dampfenden Cocktails. Nochmal schüttelte der Kellner den Kopf, in Indien wäre das ein Zeichen der Zustimmung, aber hier kehrten wir dann mit gesengten Blicken zum Christkindlmarkt am Rathaus zurück, in dem Versuch uns von einer Live-Band aufheitern zu lassen und uns aus Frust im Glühwein zu ertränken. Der Tag neigte sich dem Ende zu, und wir genossen die letzten Stunden dann doch noch in vollen Zügen (buchstäblich, denn die Züge waren so voll, als wir den Rückweg antraten, dass wir doppelt so lang brauchten...!)

IMG_8637
IMG_8631

Da letzte Tag: bekleckert und musikalisch traumatisiert

Am nächsten Tag wurden wir von der Straßenbahn zum 2. Bezirk (Leopoldstadt) gerbacht, wo wir am Eingang des Kraters einen alten Fotoautomaten fanden und uns eine Postkarte mit einem Bild von uns und der Aufschrift "Wir haben Spaß in Wien!" drucken ließen (die Postkarte hängt heute noch an Lauras Kühlschrank). Im Laden Spassilisk kaufte ich mir eine Weihnachtskugel, bedruckt mit den Sehenswürdigkeiten von Wien als Erinnerung (okay, schon Touri-mäßig, aber hier kostete sie 5,99 Euro, während sie beim Weihnachtsmarkt am Rathaus 20 Euro kostete! Ihr bekommt den Sparfuchs nicht aus mir heraus). Der Prater ist eine der bekanntesten Freizeit- und Erholungsanlagen der Stadt und besteht aus dem Großen Wiener Prater (einem weitläufigen öffentlichen Park) und dem Wurstelprater (dem historischen Vergnügungspark). Im Wurstelprater ist stellten wir uns vor eines der bekanntesten Wahrzeichen Wiens, das Riesenrad, welches 1897 eröffnet wurde. Außerdem kamen wir an zahlreichen Fahrgeschäften, Karussells, Achterbahnen, Spielhallen und Schießbuden vorbei, bevor den Prater wieder verließen und entlang der Donau zur nächsten U-Bahn Station liefen.

IMG_8805
IMG_8361

Unser nächstes Ziel war das Schloss Schönbrunn, der Sommerresidenz von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Die Anlage umfasst über 1.400 Räume, wovon etwa 40 für Besucher zugänglich sind. Hier wollten wir an einer Führung samt Audio Guide teilnehmen und anschließend abends auf ein Konzert in der Orangerie gehen (das hatte ich Laura zum Geburtstag geschenkt). Vor der Führung holten wir uns auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Schloss noch etwas zu essen, ich gönnte mir einen Bio-Camembert-Creme-Crépe mit Preiselbeeren, wobei die Preiselbeeren dann statt in meinem Mund auf meiner weiße Bluse landeten, die ich extra für das Konzert angezogen hatte. "Ich hab da mal was auf Pinterest gesehen, warte mal..." meinte Laura aufmunternd und versuchte, meine Bluse in einer kreativen Art und Weise zu knöpfen, damit man die Flecken nicht mehr sah (was nur halbwegs gelang). Verschämt trat ich also durch die edlen Tore Schönbrunns und wir bestaunten die üppigen Kronleuchter und riesenhaften Keramik-Ofenheizungen, mit denen die Innenräume im 18. und 19. Jahrhundert beheizt wurden. Besonders imponierten uns die Spiegelsäle, Marmorsäle und privaten Salons, die den Alltag und die persönlichen Vorlieben der Habsburger zeigten. In einem davon kann man auf einem Gemälde an der Wand einen gewissen Wolfgang als Kind erkennen, ausgestattet mit einem kleinen Instrument. Es soll daran erinnern, dass Mozart am Hof der Habsburger als Wunderkind auftrat und bereits in jungen Jahren für die Kaiserin Maria Theresia und deren Hofmusik vorspielte.

Im Souvenir-Shop Schönbrunns schlugen wir nochmal zu und liefen dann durch die Gärten von Schönbrunn, bestaunten die Neptunbrunnen, die Skulpturen und geometrisch angelegten Beete, durch die Sisi so oft lief, um dem Hoftrubel zu entkommen. Außerdem kamen wir am palasteigenen Tiergarten vorbei, ältester noch bestehender Zoo der Welt. Kaiser Franz I. Stephan, der Gemahl Maria Theresias, ließ den Tiergarten 1752 anlegen, um damit anzugeben, dass das Habsburgerreich Zugang zu fernen Ländern, Handelswegen und Wissen hatte. (Es heißt, dass damals einige Kamele ziemlich launisch waren und immer wieder aus ihren Gehegen ausbrachen, was zu Verfolgungsjagden durch die gesamte Gartenanlage führte...) Ganz oben auf dem Hügel der Gärten angekommen, genossen wir den wundersamen Anblick der beleuchteten Gloriette, der nicht nur als Aussichtspunkt diente, sondern auch als Ort für kleine Feste und Teegesellschaften. Wir setzten uns auf das Geländer und genossen den herrlichen Blick über die Gärten von Schönbrunn, das Schloss und ganz Wien  bei Sonnenuntergang. Wir zogen jeder den Mini-Mozart-Likör, den wir in einem der bekannten Manner-Shops in der Innenstadt erstanden hatten, aus unseren Taschen und prosteten uns damit zu; als stilvolle Feier zum Ende unserer glorreichen Wien-Reise.

 

IMG_8917
IMG_9001

Bis zum Konzert war noch etwas Zeit, deswegen teilten wir uns noch eine Pizza in dem urigen Restaurant "Ponte Di Rialto", wo man uns sehr herzlich bediente. Danach machten wir uns auf den Weg zur Orangerie von Schönbrunn, wo einst Mozart höchstpersönlich musizierte. Hier wurde täglich (!) (und das hätte mich stutzig machen sollen) Musik von Mozart und Strauss aufgeführt, begleitet von Gesang... Die Tickets in der letzten Reihe (Kategorie C) hatten mich 65 Euro gekostet, aber ich kann euch sagen, selbst das war noch zu teuer, für das, was wir alsbald erleben sollten. Die erste Panne war aber tatsächlich selbstverschuldet, als ich mich beim Durchzwängen zu unseren Plätzen mit den Füßen in den Henkeln einer auf dem Boden liegenden Handtasche verhedderte und versehentlich auf den Schoß eines jungen Mannes landete. "Oh, I'm so sorry!" rief ich und versuchte, meinen Po so schnell wie möglich von seinen Lenden zu entfernen. Anscheinend war der vor Schreck verstummte Typ mit seinen Eltern hier, die herzhaft über die Situation lachten und uns damit noch ein dunkleres Rot auf unseren Wangen bescherten. Laura hatte sich derweil schon auf ihren Platz gesetzt und amüsierte sich von dort aus ganz köstlich über mich. "Warum passiert dir immer wieder sowas? Mir war früher gar nicht aufgefallen, wie tollpatschig du eigentlich bist...!" lachte sie. Hinter uns gab es einen mit Stehwänden abgetrennten Bereich, wo Getränke ausgeschenkt wurden und man sollte meinen, dass die Geräusche verstummen würden, sobald das Konzert begann, aber dies war nicht der Fall. Zwischen den (recht missgestimmten) Tönen des Orchesters drang immer wieder das Klirren von Gläsern hinter uns, das das Crescendo abrupt unterbrach. Als dann eine Reihe von Sektflöten zu Boden fiel und in hörbar tausend Scherben zerbarst, tat das dem Klang des Konzerts aber kaum etwas ab (es wurden sowieso selten die richtigen Töne getroffen). Schon einige Reihen vor uns standen die ersten Menschen auf, entweder mürrisch oder beschämt lächelnd, und verließen den Saal. Insgesamt kam aber tatsächlich eher wenig von der Musik bei uns an: Die Orangerie eignete sich für so viele Besucher offenbar gar nicht, ganz hinten hörten wir kaum etwas, abgesehen vom ständigen Gläsergeklirr von der vermummten Bar hinter uns. Als schließlich die ersten Stücke verklangen, gab es kaum Applaus, was die Situation noch unangenehmer machte. Ich fand, die Violine müsste mal wieder gestimmt werden, und der Sänger wirkte leicht angetrunken, aber die Videoinstallation an der Decke war toll...

Auf dem Rückweg zu unserem Airbnb konnten wir nur die Köpfe schütteln und ich hatte das Gefühl, Laura ein neues Geburtstagsgeschenk zu schulden. Am Hauptbahnhof angekommen, checkten wir die Bahnverbindungen zum Flughafen für unsere Abreise am nächsten Morgen. Unser Flug sollte um 9:35 Uhr starten. „Du solltest dir den Wecker auf 4 Uhr stellen, damit du deine ganze Beauty-Routine noch unterbringen kannst und wir den Flug nicht verpassen.“ bemekte Laura spitz. Ich schluckte. Sprach da das unglückliche Konzerterlebnis aus ihr oder wollte sie mich zum Lachen bringen? Ich weiß ja, dass ich morgens lang im Bad brauchte, aber es war ja nicht so, dass ich absichtlich die Zeit dehnte. Wollte sie mich nur aufziehen oder störte es sie wirklich? Ich wurde still, wusste nicht, was ich erwidern sollte, war verunsichert und spürte das Bedürfnis in mir hervorkriechen, allein zu sein. "Ist was?" fragte sie irritiert. Ich verneinte, dabei hätte ich sie auch einfach ansprechen können, was der Kommentar gerade sollte. Aber ich war auch genervt (das Konzert...) und hatte keine Lust mehr auf eine Diskussion nach diesem anstrengenden Tag. Wir kauften uns also Tickets für den Zug um 6:42 Uhr morgens und machten uns auf dem Weg zu unserem Airbnb, wo wir die letzte Nacht gemeinsam in einem Bett verbringen würden. Am nächsten Morgen hetzte ich durch mein Beauty-Programm im Bad, doch von Laura kam kein Kommentar (sie schaffte das Ganze tatsächlich in einem Viertel der Zeit, die ich brauchte!) Ich vertraute darauf, dass sie mir schon deutlich sagen würde, wenn mein frühes Aufstehen und die ausufernden Schönheitsrituale sie störten. Meinen leisen Missmut über ihre Bemerkung von gestern schob ich auf meine überempfindliche Stimmung nach dem mittelmäßigen Konzert. Und so endete unsere erste Reise zusammen in der edlen Kaiserstadt.

Kommentar verfassen