Helsinki, Finnland
Woran ich mich sicher immer und von allem am eindrücklichsten erinnern werde, sind die Farben der finnischen Hauptstadt Helsinkis. Ich war Mitte Oktober hier und leuchteten in sanften Ocker- und Orangetönen, das warme Sonnenlicht brach sich auf der türkisen Wasseroberfläche des finnischen Meerbusens und das saftige Grün des Mooses auf den Felsen säumte meinen Weg. Das tiefe Blau des Himmels konkurrierte mit den roten Backsteinen der traditionellen Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und der nordische Wind, der kühl vom Hafen herströmte, zerzauste mein kurzes Haar und ließ die dunkelroten Äpfel an den Zweigen der bunten Bäume in der Innenstadt erzittern.
Die Temperaturen schwankten zwischen 6 und 12 Grad Plus, aber ich fror mir trotzdem mein liebstes Körperteil ab, als ich den Ausgang des modernen Flughafens um kurz vor Mitternacht schniefend passierte und mich auf die Suche nach einem Bus Richtung Innenstadt begab. Dies gestaltete sich tatsächlich recht unkompliziert, denn er wartete schon vor dem Ausgang auf mich und brachte mich anschließend innerhalb von zwanzig Minuten zu meinem Hostel. An der Station „Hattulantie“ stieg vor mir eine junge Frau mit einem Koffer aus, der doppelt so groß schien wie sie. Ich trottete nur mit meinem Handgepäck beladen hinter ihr her, doch ihre kleine Gestalt verlor sich schnell in der kalten Dunkelheit.
Im Cheap Sleep Hostel angekommen, traf ich im 18-Bett Schlafsaal erneut auf sie. „We have been in the same bus!“ begrüßte sie mich. „Yes, but you got here much faster than I did!“ erwiderte ich. „Yeah, I’ve been here so many times, so I know the way.“ Ich fragte sie, ob sie heute noch ausginge und sie antwortete, dass sie auf dem Weg zu einem angesagten Club sei, in dem ihre Freunde diesen Abend auflegten. Sie selbst war Finnin und hatte bis vor einigen Jahren hier gewohnt. Wenn ich mich beeilte, dürfte ich mich ihr anschließen, meinte sie. Mit der Straßenbahn fuhren die heutige Londonerin Julia und ich also zusammen in das belebte Stadtviertel Kallio und trafen auf dem Weg zum „Kuudes Linja“ auf einen weiteren Freund von ihr; einem sehr hübschen Finnen namens Jonne mit dichtem Zopf, der mir freundlich die Hand gab und erklärte, dass er aufgrund eines gebrochenen Zehs heute Abend nicht mit zum Tanzen kommen würde. „Wow, he’s handsome!“ murmelte ich, als Julia zügig weiter hastete und wir ihn hinter uns gelassen hatten. Sie lachte. „Oh yeah, he is!“.
Bei der „Sechsten Linie“, wie der Club der Straße entsprechend ins Deutsche übersetzt hieß, angekommen, zahlte ich meine 18 Euro Eintritt, in der Garderobe und Secruity fee enthalten waren und wir gingen die Treppe hinauf, an einer ansprechenden Bar vorbei und auf eine Terrasse, auf der wir auf einige von Julias Freunden trafen. Die Schwestern Annika und Ela sowie ihr Freund Matti und Severin, der mich sehr neugierig anschaute und sich als erstes auf ein Gespräch mit mir einließ. Er erzählte, dass er bereits einmal in Deutschland gewesen sei. „In Berlin; the techno city!“ sagte er. Ich lachte und mir gefielen seine Grübchen, als er in mein Lachen einfiel. Nur sehr unwillig ließ ich mich von Julia wieder mit ins Innere des Clubs ziehen, damit sie mir ihre anderen Freunde und Künstler diesen Abends vorstellen konnte. Drei von ihnen waren heute als DJ´s für die Musik verantwortlich und ich trat hinter das DJ Pult neben sie. Mit meinem ersten Drink in der Hand; einem typisch finnischen Getränk namens Lonkero, beobachtete ich die Tanzfläche von hier aus amüsiert. Finnland hat eine der höchsten Alkoholsteuern in der EU, die je nach Alkoholgehalt variiert, weshalb die Preise für die Drinks hier relativ hoch waren. Ich zahlte 9 Euro für mein Getränk und merkte von dem fünfprozentigen Alkoholgehalt nur recht wenig. Die R&B Auswahl aus den 2000ern von Likesauli, Mikaela und Andu schuf aber eine so nostalgische Stimmung, dass ich dennoch Lust aufs Tanzen bekam und so entdeckte ich in der Menschenmenge Severin wieder. "Let's toast together with something typically Finnish!" rief ich ihm gegen die laute Musik entgegen. „Alright, but just remember that this was your idea!" erwiderte er grinsend und zog mich mit an die Bar, wo er uns zwei Salmiakki Shots bestellte. Der Barmann schob uns zwei mit schwarzer Flüssigkeit gefüllte Minigläser hin und wir riefen „Kippis!“ und stießen miteinander an. Der finnische Schnaps schmeckte leicht salzig und lakritzartig. Lecker! „Do you like it?“ fragte mich Severin. „I love it!“ rief ich vergnügt. Seine Freundinnen Annika und Ela stoßen zu uns und wir tauschten uns ein wenig aus, bis Severin plötzlich angerufen wurde und mich anschließend an sich zog, um mir zu sagen, dass er leider gehen müsste. Ich drückte ihn an mich. „Let’s meet again before you leave!“ rief er noch, dann war er verschwunden.
Mit Annika und den anderen zog ich anschließend weiter in die angrenzende Bar „Siltanen“, die wirklich gut besucht war. Allein zur Theke zu gelangen, war eine olympische Meisterleistung. Nach vielfältigen Versuchen, den Barkeeper auf mich aufmerksam zu machen, bestellte ich irgendeinen Weißwein und schnappte nach Luft, als er dafür 15€ verlangte. Mit Alkohol versorgt, bahnten wir uns kriegerisch einen Weg nach draußen und setzen uns an einen Tisch auf der Terrasse. Kurz darauf erschien überraschenderweise Jonne wieder; trotz seines gebrochenen Zehs. Er setzte sich neben mich und verwickelte mich in ein Gespräch über das Surfen und Skateboarden. Er schien schon gut angetrunken und seine Wangen glühten rot. Meine Erkältung schien ihn wenig zu kümmern, als er sich schließlich ganz nah zu meinem Gesicht herüber lehnte und raunte: „Mina. You’re so hot. I’d love to take you home tonight, but I’m way too drunk.“ Ich schnappte nach Luft. „Ehm...“ Ich blickte hilfesuchend zu den anderen, konnte sie aber nicht finden. Sie waren wohl wieder ins Innere gegangen, um sich neue Getränke zu erkämpfen. „So, how long will you be staying here in Helsinki, Mina?“ versuchte Jonne meine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. „Tuesday.“ antwortete ich einsilbig. „I’d really love to see you again…“ er lallte ein wenig und konnte seinen Blick kaum auf mich gerichtet halten. Als er sich noch näher zu mir rüber beugte und seine Alkoholfahne mich zu ersticken drohte, stieg ich abrupt auf, stotterte etwas von Toiletten und ließ ihn in seinem Rausch einfach sitzen. Ich suchte gar nicht mehr nach Annika und den anderen, sondern ging direkt zurück in den Club zu Julia, um möglichst viel Abstand zwischen mich und Jonne zu bringen. Dort tanzte ich trotz meiner Erkältung bis zum Morgengrauen und machte mich gegen sieben Uhr allein, glücklich und müde auf den Rückweg zum Hostel.
Um kurz nach 8 erwachte ich von dem röhrendem Schnarchen unter mir. Mein Kopf dröhnte und mir tat jeder Knochen weh, als ich die Treppe des Hochbetts herunter kletterte. Ich stöhnte und hustete. Das Schnarchen unter mir geriet ins Stocken. Was hatte ich denn letzte Nacht noch alles getrunken? Besser ich schaute nicht in mein Portemonnaie, da herrschte nun vermutlich gähnende Leere. Ich schnappte mir meine Tasche und ging zum Frühstücksbuffet, das aus Cerealien, Toast, hartgekochten Eiern und Erdnussbutter bestand. Mir war schlecht. Vier Gläser Wasser, drei Kaffee und eine Aspirin Complex später versuchte ich mir ein Gesicht zu malen und verließ das Hostel mit einem bösem Kater und einer Stunde Schlaf. Mit der Straßenbahn 7 fuhr ich – froh, einige Minuten sitzen zu können – eine halbe Stunde zum Hauptbahnhof und ging von dort aus zu Fuß zur Zentralbibliothek Oodi, welche durch ihre markante Architektur bereits von Weitem ins Auge fiel und mehr Kulturzentrum als Bibliothek darstellte. Mit Büchern auf drei Etagen, einem Café, 3D-Druckern und Nähstationen, einem Kino und Café bot es zahlreiche interaktive Möglichkeiten, um hier einige Stunden zu verweilen. Als ich am Café vorbei auf die futuristische Terrasse trat, wurde ich mit einem wunderbaren Ausblick über die Stadt belohnt und sog beherzt die frische Luft ein, um meinem Kater etwas entgegenzuwirken.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mich schleunigst auf den Weg zum Senatsplatz machen sollte, einem öffentlichen Platz auf dem sich der Helsinki Dom, das Regierungsgebäude, die Universität von Helsinki und die Nationalbibliothek Finnlands befanden. Hier würde meine vor einigen Tagen gebuchte Free Walking Tour starten, für die ich gewiss nicht fit genug war, wie mir bereits der Fußweg in das Stadtteil Kruununhaka bewies. Mit meiner laufenden Nase hielt ich Ausschau nach dem typischen roten Regenschirm des Free Walking Guides und fand meine Gruppe neben dem Denkmal von Zar Alexander dem zweiten stehen, einer Erinnerung an Finnlands Zeit unter russischer Herrschaft. Ich stellte mich zu den anderen und blickte zu den 62 Stufen zum Senatsdom hinauf, die ich heute sicher nicht mehr besteigen würde. Die mit einer grünen Patina überzogene Hauptkuppel des Doms wurde von vier kleineren Kuppeln flankiert, auf denen zahlreiche goldene Sterne in der Morgensonne um die Wette glitzerten. Ich zog meine Sonnenbrille aus der Tasche und versuchte angestrengt, unserem weiblichem Guide zu lauschen, doch sie sprach recht schell für meine derzeitig geminderte Auffassungsgabe.
Während ich gemeinsam mit einer völlig durchmischten Truppe hinter dem roten Regenschirm zum Ritterhaus – einem Versammlungsort des finnischen Adels aus dem 19. Jahrhundert – her trottete, checkte ich mein Handy in der Hoffnung auf eine Nachricht von meinem besten Freund Sebi, der heute in der Stadt ankommen sollte. Kurz vernahm ich ein Gefühl von Einsamkeit, als ich auf ein leeres Display starrte. Dies war seit meiner schmerzhaften Trennung vor zwei Monaten das erste Mal, dass ich allein verreist war. Es gab so Vieles, das ich gerne teilen wollte, gleichzeitig hatte ich das Gefühl, es würde niemandem auffallen, wenn ich plötzlich verschwände; was natürlich Quatsch war. Ich hatte zu Hause Freundinnen, die brennend auf fotografische Eindrücke meiner Reise warteten und Sebi würde vermutlich auch nach mir suchen, wenn ich ihn heute nicht vom Bahnhof abholte. Bei der Uspenski Kathedrale angekommen, hatte ich mich emotional schon wieder gefangen und schob die kurze Melancholie auf meinen Kater, während ich mich bereits wieder an den Sonnenstrahlen erfreute, die mir den Rücken wärmten und die kalte Luft erträglicher machten. Unsere Führerin deutete auf die finnisch-orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1868 und erklärte, dass diese die größte orthodoxe Kirche im westlichen Europa sei. Ich blickte auf die 13 Kuppeln mit vergoldeten Spitzen, die sich elegant von der roten Backsteinfassade abhoben und war hin und weg von dem imposanten Gebäude, das sich auf dem Felsen gelegen so markant von allen anderen Gebäuden in der Nähe abhob. Weiter ging es Richtung Hafen, wo wir das typisch skandinavisch-minimalistische Gebäude des Allas Sea Pool bestaunten, welches mit viel Holz und Glas auf verschiedenen Ebenen mit Terrassen, Sonnendecks und drei verschiedenen Pools lockte, in denen man sich nach dem Saunagang mit Blick auf das Meer abkühlen konnte. Links davon befand sich ein etwa 40 Meter hohes Riesenrad, das mit einer Sky Sauna in einer seiner Gondeln aufwartete. „We build our saunas everywhere! There's one sauna for every two Finns!“ lachte unsere Führerin. "Most of our grandparents were even born in saunas, as they were traditionally the cleanest and warmest place in the home." Holla. Welche Frau hatte denn Lust, bei Temperaturen von 80 bis 100 Grad Celsius zu gebären?! Crazy.
Dann ging es über den Markt am Hafen Kauppatori, wo wir einen fantastischen Blick auf die umliegenden Inseln Helsinkis hatten und traditionell finnische Speisen probieren durften, unter anderem das Rentier Hotdog. Uäh! Da war ich raus. Als wäre ihr Appetit nun erst richtig angeregt worden, redete unsere Führerin von da an nur noch über traditionell finnische Speisen, weswegen ich mich nach einer Stunde voll Erklärungen über die Zubereitung von Fleisch und Fisch heimlich aus dem Staub machte, ohne „pay-what-you-want“-Spende meinerseits. Aber es war auch leider nicht die beste Free-Walking Tour, an der ich bis dato teilgenommen hatte, so what. In einem urigen Café in der Nähe namens „Shana Kahvila Baari“ wärmte ich mich auf und probierte dann doch eine typisch finnische Spezialität: die Zimtschnecke. Und die haute mich schier aus den Latschen. Sie kam frisch gebacken aus dem Ofen und wurde warm serviert, was ihren würzigen Geschmack noch intensivierte – ich war im Himmel. Danach streifte ich auf der Aleksanterinkatu durch ein paar Buchläden und noble Second Hand Shops, bis Sebi sich schließlich mit der Nachricht meldete, er säße im Zug und käme in den nächsten Minuten an, weshalb ich mich anschließend fußläufig auf den Weg zum Hauptbahnhof machte. Dort kam er mir weit bepackter als ich entgegen und stöhnte: „Ich brauche Fast Food!“, weshalb wir uns in einem völlig überlaufenen Fast-Food-Restaurant stärkten und uns anschließend von einem Uber zu unserem Domizil für die nächsten zwei Nächte befördern ließen. Jenes befand sich im Stadtteil Ullanlinna ganz nah an der Küste, wo wir am Nachmittag entlang spazierten, um uns anschließend mit Süßigkeiten in den Park am Ende unserer Straße zu setzen und das Herbstwetter zu genießen. Abends aßen wir dann doch meine so ersehnte Pizza in der Pizzeria Alfons (eine der besten Pizzen, die ich je gegessen hatte! Und es gab sogar Espresso Martini!).
Am nächsten Morgen machten wir uns gegen viertel vor 10 auf den Weg zum Katzencafé „Helkatti“, wo ich eine Woche zuvor für uns einen Tisch reserviert hatte. Dort angekommen, konnten wir vor dem Schaufenster stehend bereits eine der Katzen in einem großen Laufrad rennen sehen. Wir wurden durch eine Doppeltür hereingelassen und durften unsere Jacken an schmalen Baumstämmen von Birken aufhängen, die an den Wänden im Inneren des Cafés aufgestellt waren. Während wir zu unserem Tisch geführt wurden, erklärte die Kellnerin: "Don't put your stuff on the floor, or the bunnies will poop on it!“. Sebi schaute mich fragend an. Hatte sie „Bunnies“ gesagt? Wir setzten uns und schauten uns irritiert um. Hasen sahen wir keine, dafür wurden wir von 12 unterschiedlichen Katzen beschnuppert, während wir Waffeln mit Sahne und Nutella orderten. Das Innere des Cafés war ein fantastisches Paradies, das dem Hobbit hätte entsprungen sein können. An den Decken befanden sich kleine, beleuchtete Katzenleitern und die Wände hinter den Birken waren in Grüntönen gestrichen worden, was die Szenerie eines verwunschenen Waldes unterstrich. Überall hingen Gemälde von Katzen und die Polster der Vintage Möbel waren ebenso mit katzenartigen Motiven bedruckt. Auf dem Weg zur Toilette stieß ich schließlich doch auf einen Gehege voller Hasen und einer hoppelte mir mit seinen langen Schlappohren hinterher. Verrückt! Nachdem wir uns sowohl von den Katzen als auch von den Hasen verabschiedet hatten, machten wir uns via Straßenbahn auf den Weg zum Hafen, von wo aus wir die Fähre von Kauppatori zur historischen Seefestung Suomenlinna nahmen, deren Fahrtpreis praktischerweise bereits in unserem HSL AB-Tagesticket enthalten war. Die finnische Schärenwelt umfasste Inseln jeder Größe; von größeren, bewohnten Inseln mit Wäldern und kleinen Dörfern bis hin zu winzigen, unbewohnten Felsen, die kaum mehr als eine Fläche für Seevögel boten. Die meisten Inseln bestanden aus robustem Granit, der während der Eiszeiten von Gletschern geformt wurde. Die Festung Suomenlinna wurde im 18. Jahrhundert von Schweden unter dem Namen Sveaborg erbaut und sollte als Verteidigungsanlage gegen Russland dienen. Als UNESCO-Weltkulturerbe und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Finnlands beherbergte sie mehrere Museen, gemütliche Cafés, Restaurants, aber auch unterirdische Tunnel, echte Kanonen, historische Mauern und eine gut erhaltene Kirche, die als Leuchtturm diente. Außerdem war das Naturschauspiel einfach beeindruckend; wir gingen an den felsigen Klippen der Granitlandschaft entlang und das Moos bildete dichte, weiche Teppiche saftigen Grüns, die sich über den Boden und die Steine legten und eine märchenhafte Atmosphäre schufen.
Abends entschieden wir, bei einem nepalesischen Restaurant namens Fulbari essen zu gehen, weil wir hier an so vielen nepalesischen Restaurants vorbeigegangen und uns dabei aufgefallen war, das uns die nepalesische Küche gänzlich unbekannt war. Der Gastwirt war endlos zuvorkommend und brauchte und süßen nepalesischen Tee mit Milch aufs Haus (ähnlich wie Chai Tee) und wir speisten von unterschiedlichsten Tellern wie die Könige. Es gab Reis, Salat und gekochte Paprika, für Sebi Fleisch und würziges Gemüse in Tomatensoße, dazu fein gebackenes Fladenbrot mit vielfältigen Dips; es war ein Fest! Anschließend liefen wir zu Fuß durch die ruhigen Straßen der Innenstadt zur Bar „Gate A21“, in der ein kleines Flugzeug an der Decke hing. Ich orderte hier einen unglaublich leckeren alkoholfreien Bananen Cocktail und wir trafen auf ein paar deutsche Studenten, die wegen eines Auslandssemesters in der Stadt und auf der Suche eines guten Clubs für heute Nacht waren. Wir empfahlen ihnen neben der Karaoke Bar „Restroom“, die in einer ehemaligen öffentlichen Toilette von 1952 untergebracht war, und „Bob’s Laundry“, einer Bar, die gleichzeitig Wäscherei war, die Diskothek „Milliklubi“, die jeden Tag von 22 Uhr bis 5 Uhr geöffnet hatte und sich in der Nähe des Hauptbahnhofs befand.
Am nächsten Morgen machte sich Sebi schon früh auf den Weg zum Flughafen, während ich eingekuschelt auf dem warmen Sofa noch ein paar Stunden schlafen konnte. Das Frühstück holte ich mir in Schlafanzugshose in einer Bäckerei am Ende unserer Straße: eine bombastische Zimtschnecke, deren Zucker ich später vom Sofa kratzen musste (ja der Herr hatte mich auf dem Sofa schlafen lassen!). Nachdem ich unsere Unterkunft verlassen hatte, machte ich mich via Straßenbahn 2 auf den Weg zum Botanischen Garten Kaisaniemi, der mich vor allem wegen seiner großen Glasgewächshäuser aus dem 19. Jahrhundert lockte. Das auffälligste Gebäude war das Palmhaus, welches eine Sammlung tropischer Pflanzen und Bäume ausstellte.