Liebeskummer an silvester

Kopenhagen, Dänemark

Cover von Kopenhagen

Tag 1: Silvesterabend, Kommunikationsprobleme an der Bar und ein britischer Klempner

Ich saß am Flughafen und telefonierte mit Anna. "Ich weiß, das ist bescheuert, aber seitdem ich in den Bus gestiegen bin, vermisse ich ihn so doll!" Meinen Exfreund. "Okay, verstehe. Vielleicht realisierst du die Trennung ja erst jetzt. Oder aber da war so viel Frust, den du hattest und erst jetzt kommst du dazu, ihn zu vermissen?" antwortete sie liebevoll. "Ja, vielleicht." Ich fühle mich so allein, wie lange nicht mehr, schrieb ich Laura, als ich beim Boarding saß. Der Flug hatte jetzt schon 1,5 Stunden Verspätung und ich musste mich die ganze Zeit zwingen, sitzen zu bleiben und das Gate nicht wieder zu verlassen, um den nächsten Zug zu meinem Exfreund zu nehmen. In dem Moment wusste ich noch nicht, wie allein ich mich einige Monate später fühlen würde, wenn ich zwar meinen Exfreund zurück hätte, aber mir keine einzige Freundin geblieben war...

"Boarding completed." sagte die Stewardess via Funk. Die Türen wurden geschlossen und es gab kein Zurück mehr. Ich war den Tränen nah und das lag nicht an meiner Flugangst, sondern daran, dass ich mir Silvester und den Start ins neue Jahr anders vorgestellt hatte. Zum Glück würde ich vor Mitternacht landen, wobei es für meine Stimmung gerade keinen Unterschied machte, wie, wo und mit wem ich den Jahreswechsel verbrachte.

Am Silvesterabend gegen kurz nach 22 Uhr war der Flughafen von Kopenhagen fast ausgestorben. Ich schulterte meine Tasche und lief die gefühlten 10 Kilometer zur U-Bahn Station, wo ich in irgendeine U-Bahn stieg, die Richtung Zentrum fuhr. Darin herrschte ein extrem hoher Alkoholpegel, alle Insassen hatten gut einem im Kahn und waren gekleidet wie in Project Runway. Gut, man muss dazu sagen, dass ich gut untertauchen konnte, denn auch ich trug einen silbernen Glitzerrock und ein Hemd mit einer Uhr darauf und dem Spruch "Times goes by...", weshalb ich an der Düsseldorfer Sicherheitskontrolle gefragt wurde, ob ich die Auserwählte sei und zu meinem Junggesellinnenabschied fuhr. Nun, irgendwo stieg ich aus, weil der Name so klang, wie meine favorisierte Endhaltestelle und stieg dann in den nächsten wieder ein, fuhr noch zwei Stationen weiter und floh dann auf der Treppe an die Oberfläche, weil ein Teenager einen Böller an der Station deponiert hatte, die ich just erreicht hatte. An der Oberfläche empfing mich dichter Nebel, ich konnte kaum meine Hand erkennen. Man merkte erst, dass man mitten auf der Straße stand, als man sich tatsächlich darauf befand. Überall knallte es, der Nebel leuchtete vor mir mal rot, mal grün auf. Es hatte was von einem Kriegsszenario und ich war froh, als ich anschließend im Bus zu meinem Hostel saß. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht über das massive Gebäude, dass von er Größe her sicher mit dem Buckingham Palace mithalten konnte. Und dieses ganze Hostel war heute eine einzige Party. Die Musik verfolgte mich bis zu meinem Hostelzimmer, dass ich mir mit 5 anderen Mädels teilte. Mit einer Japanerin, die unter mir schief und einer Koreanerin, die ihr Bett neben mir bezogen hatte, hielt ich kurz Smalltalk und ließ mir Malmö empfehlen, die nächste schwedische Stadt, die man von hier aus easy mit dem Zug erreichen konnte. Mein Handy brummte "Meet at the bar inside?"

Ich antwortete "Yes, I'Il be there." und machte mich auf den Weg zu Anastasia, einer jungen Frau, die ich ein paar Tage zuvor über "Travel Ladies" kennengelernt hatte. "Hi, how was your flight?" fragte sie mich. Ein bisschen Verspätung, antwortete ich ihr dann. Wir standen an der Bar und ich war ganz wild darauf, mein Dänisch Zuzu testen, dass ich mit "Duolingo" die letzten zwei Wochen geübt hatte. "Hej, en ól, tak!" rief ich über die Musik hinweg. "Agaaain?" fragte der Mitarbeiter verwirrt. "En óóól!" rief ich erneut. Sein Gesichtsausdruck blieb weiterhin verwirrt (vielleicht mit einer Spur genervt). Ich kicherte beschämt. Okay, es arbeiteten hier wohl keine Dänen im Hostel (oder war mein Dänisch so schlecht?!) "A beer, the cheapest, please" übersetzte ich also. "Okay, so Carlsberg?" erwiderte er. Ich nickte und er zapfte mein Bier. Ich schaue Anastasia schüchtern an und erklärte ihr "l've tried to Order in danish...". Sie machte große Augen. "Oh, so you're speaking Danish?" fragte sie. "A bit." antwortete ich (war mir dessen aber plötzlich nicht mehr ganz sicher). Wir setzten uns in die Lobby, an einen der letzten freien Tische und erzählten ein bisschen über uns, bis schließlich Anastasias Mutter per Facetime anrief und wir beide glücklich in die Kamera winkten, um ihre Sorgen zu beruhigen.

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Screenshot

Aus den Lautsprechern ertönte jetzt laut ein Remix von "Eleftheros", eine italienische Disco- Version, zu der die Mädels am Tisch plötzlich aufschrien und begeistert auf die Tische kletterten. Alle waren verzückt (und betrunken), auf und um den Tisch herum wurde mit einem Mal getanzt und geklatscht, während sich an der Bar eine menschliche Karawane entwickelte, die sich wippend zur Musik durch die Menge schlängelte. Wir lachten und beobachteten das Spektakel, bis eine Stimme durch die Lautsprecher ertönte, die uns Freibier am Pier versprach. Und so machten wir uns in einer riesigen Gruppe vom Hostel aus auf dem Weg zum Ufer, eine Musik Box im Schlepptau. Ich zitterte in meinem viel zu dünnen Mantel, auch Anastasia fröstelte, weshalb wir uns noch tiefer in die Menschentraube stürzten, als wir die Terrasse am Ufer erreichten, in der Hoffnung ein wenig menschliche Wärme zu ergattern. Die Musikbox wurde noch lauter gedreht und direkt daneben standen vier Kisten Dosenbier, wovon sich alle eifrig nahmen (auch wir, um der Kälte ein bisschen entgegenzuwirken). Die Stimmung war so gut und ausgelassen, Anastasia wurde einmal angequatscht und um einen Midnight Kiss gebeten. Sie lachte nur und sagte so etwas ähnliches wie "Niemals." Schließlich begann die Menge um uns herum zu zählen "Sixteen, Fifteen, Fourteen,...". Wir fielen mit ein und fingen alle an zu jubeln als es Mitternacht wurde und alle "Happy New Year!" riefen. In der Ferne sah man ein paar Raketen, die aber völlig im Nebel untergingen. Vielmehr hörten wir es knallen, als dass wir es sahen.

Zurück im Hostel gingen wir nach unten und spielten eine Runde Billard mit ein paar Jungs aus Italien. Unsere Schläge waren schlecht und wir verloren haushoch, danach war uns nicht nach einer weiteren Runde und wir bewegten uns auf die tanzende Menge in der Mitte der Halle zu, eigentlich, um zu den Bänken am hinteren Ende zu gelangen, doch plötzlich nahm jemand meine Hände und brachte mir den Cha Cha Cha bei. Es war lustig, ein paar Schritte hatte ich noch aus dem Sportunterricht in Erinnerung. Anastasia filmte uns und ich lachte, wenn ich ihm auf die Füße trat. Zum Glück er auch.

Als das Lied vorbei war, verabschiedete ich mich von dem unbekannten Tänzer und wir setzten uns zwischen ein paar Gruppen auf eine lange Bank in der Nähe, die kaum Platz für uns beide ließ. "Hey, how are you?" kam plötzlich ein sehr britischer Akzent vom Tisch neben uns. "Fine!" rief ich zurück. "I'm George, can I ist with you guys?" fragte der britische George. Ich sah Anastasia fragend an. Sie nickte grinsend. Natürlich kam er von "LAANDEN", und er arbeitete dort als "Plumber". Mein alkoholgeschwängertes Gehirn konnte sich nicht zusammenreißen und antwortete irgendwas davon, dass es in Deutschland ein Klischee wäre, dass jeder Porno mit einem Klempner Auftrag beginnen würde (klar, als hätte ich schon so viele gesehen!). Ich lachte hemmungslos und das schien George ein wenig zu sehr zu gefallen. "Oh, you are a bit kinky? I like that!" er schaute mir tief in die Augen. Upps. "I really like your smile..." sagte er als nächstes und irgendwann fragte er mich, ob er mich aufs Zimmer bringen könnte und ob ich jemand wäre, der zum Abschied Küsse bevorzugen würde. Alter Schwede... äh, Däne. Ich klammerte mich an Anastasia und wir sagten, wir wären schon ganz müde und bewegten uns Richtung Fahrstuhl.

Tag 2: Scheißkalt, Sightseeing, Sandwiches

Ich wachte früh und ein bisschen verkatert) auf, mein Herz schrie nach Koffein (vielleicht auch mein Kopf). Ich machte mich fertig und schickte Anastasia eine Nachricht "In the mood for coffee?", aber sie schlief anscheinend noch, daher machte ich mich allein auf den Weg. Es nieselte und ich fror mir den Hintern und meine Finger ab, weil ich Mein Handy permanent zückte, um Fotos zu machen. Ich kam am Tivoli Park vorbei, der zu dieser Jahreszeit ein bisschen trostlos vor sich hin ratterte. Gegenüber befand sich ein Bahnhof, die erste Gelegenheit, an Koffein (und Wärme) zu kommen, daher lief ich direkt rein und kam ein paar Minuten später mit einem Kaffee und einem Energy Drink bewaffnet wieder heraus. Anschließend streunte ich durch die Straßen, weiterhin ein wenig trostlos, die Weihnachtsdekoration war bereits größtenteils entfernt worden, die meisten Geschäfte hatten an Neujahr geschlossen. Ich musste darüber nachdenken, wie wahllos das Ende des Jahres von Menschen gewählt worden war. Man feiert einen Neuanfang, obwohl sich hier draußen noch gar nichts wie Neuanfang anfühlte. Irgendwie wird Silvester in die Weihnachtswoche gequetscht und dann folgen noch zwei Monate tristes Wetter ohne einen weiteren Feiertag in Sicht, bis die Natur dann endlich entschließt, Frühling hereinbrechen zu lassen. Sollten wir Neujahr nicht etwas später feiern, wenn die Luft wieder wärmer, die Erde weniger Feucht und die Blumen wieder am blühen sind? Irgendwann schrieb mir Anastasia, dass sie noch schnell in der Hostelküche frühstücken würde und wir uns anschließend irgendwo treffen könnten. Also entschloss ich auch, zu frühstücken und steuerte einen dänischen Burger King an, wo ich den besten Burger meines Lebens essen sollte. Einen Plantbased Gourmet Grill BBQ für 79 Kronen (also für knapp 11 Euro, holla!).

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Dieser Beitrag ist noch in der Mache. Während ihr schon lesen könnt, sitze ich vermutlich irgendwo mit einer Tasse Kaffee und schreibe weiter...

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